1988 als Ostdeutscher nach Afrika - das roch doch nach Stasi.

Abenteuerlich war es schon. 20 Tausend Ost, eins zu acht, in Leipzig abends halb Acht in Zweieinhalb West. Und das musste für neun Wochen Tansania reichen. Erst als wir in Schönefeld abhoben, konnte ich glauben, das es Wirklichkeit war.

Daressalarm, Arusha, der Mount Meru - ich hatte die vierte von 115 Filmrollen in meiner Krasnogorsk 3, als im Frühnebel die Giraffen vorbeischwebten und die Kamera versagte. Zwei Dreiviertelstundenfilme wollte ich für das DDR-Fernsehen drehen und dann diese Katastrophe.

Nur eine Lösung gab es, runter nach Arusha, mit dem Nachtbus 600 Kilometer nach Daressalam und mit der Aeroflot über Moskau nach hause. 3750 Mark der Deutschen Demokratischen Republik, ein einmaliges Ein- und Ausreisevisum, verdutzte Zöllner in Berlin als ich in ausgewaschenen Jeans, im Polohemd barfuß in Jesuslatschen unrasiert ohne Gepäck ankam. Noch überraschter meine Frau und meine Kinder, als ich nach einer Woche über den Balkon einsteigend, wieder vor ihnen stand.
Eine Woche später war ich abends um Sechs wieder im "New Arusha" bei Hansi. Drei Tage auf dem höchsten Gipfel Afrikas, dem 5985 Meter hohen Kilimandscharo, im Reusch Krater und im östlichen Eisfeld - unvergeßlich. Aber genauso unser Gipfelbiwak auf dem vierthöchsten Afrikaner, dem 4750 Meter hohen Mount Meru, der Aufstieg aussenherum mit der Machete durch den Busch und der Abstieg ohne Wasser bis zum rettenden und ungeheurlich wirkendem Bannanenbier.
So schön die Berge auch waren, so schlimm war der zu spürende Kommerz. Wohl gefühlt habe ich mich bei unserem irischen Entwicklungshelfer, Paul Murphy, im Hochland von Mbulu und bei Mafalda von Kalkreuth, geb. von Trüzschler, die aus Falkenstein im Vogtland stammt und von 1982 bis 1991 in Afrika lebte.